Blickwinkel

Fotos

Presse

Michael Lassel

Titel: Heimkehr des Glückritters

Michael Lassel
Titel: Heimkehr des Glückritters
Der Künstler zitiert in seiner Erklärung zum Werk den spanischen Schriftsteller Cervantes : "Wenn das Leben selber verrückt erscheint, wer soll denn dann noch wissen, wo der Wahnsinn liegt? Vielleicht ist es Wahnsinn, sich Träumen hinzugeben und Schätze zu suchen, wo nur Schutt ist. Aber vielleicht ist es auch Wahnsinn, normal zu sein. Aber ganz gewiss ist es der allergrößte Wahnsinn: Das Leben so zu sehen, wie es ist, und nicht, wie es sein sollte."
Repro: DIE KITZINGER

Nachtimpressionen

J. Anmanis

Kitzingen im Blick des Künstlers

So etwas hat Kitzingen noch nicht gesehen. Die Stadt hat – Dank der Arbeit von 34 zeitgenössischen Künstlern aus dem In- und Ausland – die Chance, sich neu wahrzunehmen. Die Botschaft: Lasst Euch überraschen. Und vor allem: Lasst Euch auf neue Perspektiven ein. Am Freitag, 27. Juli, 19 Uhr, wird die Ausstellung „Blickwinkel“ eröffnet. Untertitel: Künstlerische Reflexionen eines Stadtbildes.

Wie sieht der Mann aus Finnland die Kreisstadt? Vor allem blau. Und lila – die Fußgängerzone im Focus. Der Maler aus Wien lässt einen Ballon überm Main schweben, und der aus Berlin zeigt den Zeitgeist mit Pappkartons und gelbem Sack.

Über 30 Maler aus dem In- und Ausland sind in den vergangenen Monaten nach Kitzingen gereist mit dem Ziel, die Kreisstadt, die Stadt mit unbefangenem Blick anzuschauen und künstlerisch darzustellen. Herausgekommen ist eine spannende, einzigartige Schau. Die künstlerische Übersetzung der Realität „erlaubt überraschende Sichten auf eine bekannt geglaubte Stadt“, sagt Organisator Klaus D. Christof.

Mit der Ausstellung Blickwinkel will der Kitzinger Kulturverein Pam „bewusst einen Gegenpol zur allgegenwärtigen Hektik, zur üblichen Oberflächlichkeit des Sehens setzen, die nicht zuletzt durch eine pausenlos auf uns einstürzende Reizüberflutung verursacht wird“. Die Ausstellung sei eine Einladung an die die Bürger und Besucher, die Stadt durch die Augen von Künstlern und in deren Bildern neu zu entdecken und kennenzulernen.

Symposium am Samstag

Zur Blickwinkel-Schau gehört ein Symposium am Samstag, 28. Juli, ab 13.30 Uhr im Konferenzsaal der GWF in Kitzingen. Darin soll die Frage geklärt werden, ob die berufsbedingte gesteigerte Wahrnehmungsfähigkeit von Künstlern einen entscheidenden, aber bislang unberücksichtigten Beitrag zur Analyse und Planung von Stadtentwicklungs-Konzepten leisten kann. Und ob so die Entscheidungsfindung durch ein kreatives Element bereichert werden kann. Beiträge von bildenden Künstlern, Architekten und Planern, Kommunalpolitikern und Vertretern aus Kommunen und Behörden werden mitmischen. Interessierte Bürger sind willkommen.

Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen. Blickwinkel in der Rathaushalle Kitzingen ist bis zum 2. September, täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen.

Zeitgeist

S. Kuschnerus

Blickwinkel: 34 Künstler malen Kitzingen – viel Stoff zum Nachdenken

34 renommierte Künstler aus Deutschland, Österreich, Lettland und den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden von PAM nach Kitzingen eingeladen, um sich ein „Bild“ von der Stadt zu machen. Was dabei heraus kam überrascht, erfreut, berührt und gibt viel Stoff zum Nachdenken.

Zum Beispiel Zeitgeist Etwa über die eigene Enge der Beobachtung. Da ist das Bild „Zeitgeist“ von Sigurd Kuschnerus. Ein Blick in eine Gasse vom der Unteren Marktstraße aus auf ein Schaufenster das mit dem Wort „Zeitgeist“ dekoriert ist. Öd ist die Gasse, menschenleer, alte Kartons stapeln sich, die Fassade des Hauses bröckelt. Und die Botschaft ist eindeutig: Hinter dem viel gerühmten Zeitgeist, dem jeder hinterherjagt, steckt eigentlich gar nichts. Er hinterlässt nur hässliche Spuren. Gambrinus und der Teufel Das Bild bietet aber noch viel mehr: etwa den Gambrinus an der Hauswand, der auf seinem Fass Narr und Teufel zuprostet. Oder die zwei Managertypen, vielleicht sind es auch Politiker, die mit der Weltkugel spielen, in den Fenstern im Obergeschoss.

Das Verblüffende an dem Bild ist aber: Die Grundkomposition ist real. Genau so stellt sich die Gasse in Kitzingen dar: öd, leer, vom Zeitgeist dominiert. Bloß gesehen hat es keiner. Der Blick wird geöffnet Und das ist auch die ganz große Stärke dieser Ausstellung: Sie öffnet uns den Blick auf diese Stadt. Sie zeigt Einblicke und Ausblicke, die immer wieder verblüffen. Verblüffen, weil sie neu sind, weil sie ungewohnt sind, weil sie auch nicht nur die Schönheit der Stadt aufzeigen, sondern auch die Probleme. Ganz aktuell der Blick von Frank D. Hoffmann in den Rosenberg. Ja, kenn ich, nix Neues, ist wohl die erste Reaktion vieler, die auf die einsame Gestalt schauen, die grell von der Leuchtreklame des „Roxy“ beleuchtet wird. Wer genau hinschaut sieht: Das gibt es so ja gar nicht. Das ist eine gelungene Kollage aus verschiedenen, nicht gerade schmeichelnden Ansichten Kitzinger Gassen mit dem Falterturm als Hintergrund.

Stimmig, neu und ungewohnt Und dann kommen natürlich wieder diese Fragen: Warum sieht jemand Kitzingen so, dass es auf den ersten Blick stimmig ist, dann aber wieder völlig neu und ungewohnt. Warum wirkt das Bild plötzlich so trist und kalt. Fragen, die vom Künstler natürlich nicht beantwortet werden. Seine Aufgabe ist es, die Fragen zu stellen, die Antworten müssen andere geben. Etwa der Betrachter selber. Und wenn der das nicht kann, dann sollte er die Fragen weiter reichen. An die verantwortlichen Politiker - die Gelegenheit dazu bietet sich im anlaufenden Kommunalwahlkampf ja ausreichend. Nicht nur für Kitzinger Übrigens: Die Ausstellung ist nicht nur für Kitzinger da. Die Bilder sind viel zu schön, um sie auf Kitzinger zu beschränken.

Und die Fragen, die gestellt werden, haben natürlich Allgemeingeltung. Auch in Marktbreit verödet die Innenstadt, auch aus Volkach kommen Klagen über leer stehende Geschäfte, und überall schlägt der Zeitgeist zu, zerstört gewachsene Strukturen und verändert gewohnte Ansichten. Reich bebilderter Katalog Zur Ausstellung gibt es begleitend einen reich bebilderten Katalog. In seinem ersten Teil wird ausführlich die historische Entwicklung des Kitzinger Stadtbilds bis heute dargestellt und an etlichen Beispielen auch Fehlentwicklungen gezeigt. Der zweite Teil widmet sich ganz den Künstlern und ihren Bildern. Der Katalog kostet 15 Euro. Die Ausstellung „Blickwinkel künstlerische Reflexionen eines Stadtbildes“ ist in der Rathaushalle noch bis zum 2. September täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen.

Vom Urknall in die Gegenwart

Die Geschichte einer Stadt auf gut zehn Quadratmetern. Geht das? Ja, das geht und ist ganz aktuell in der Ausstellung Blickwinkel in der Rathaushalle in Kitzingen zu sehen.


Fast geht er etwas unter, der sieben Meter lange und 1,50 Meter hohe Bilderbogen der Geschichte Kitzingens, der sich gleich im Eingangsbereich im 90-Grad-Winkel präsentiert. Bunt, detailreich, verspielt sind hier Geschichte und Geschichten rund um die Stadt Kitzingen, fast wie in einem großen Wandteppich, verwoben.

Das beginnt mit dem „Urknall“ für Kitzingen überhaupt, dem berühmten Schleier von Hadeloga, dem Schäfer Kitz und dem Merowingerkönig Pippin, der am Fundort des Schleiers das Kloster bauen ließ, das später der Grundstock für die Stadt war. Wahrheit oder Sage? Eigentlich egal, tatsächlich gibt es für das späte 8. Jahrhundert Berichte von einem Kloster, gegründet zur Christianisierung der Bevölkerung.

Ums Kloster herum

Der Ort um das Kloster herum wächst, verschiedene Herrscher haben das Sagen, lange Zeit spielen Religion und Kloster eine zentrale Rolle. Da brennt das Kloster und die Bürger der Stadt wenden sich ab, krümmen keinen Finger, um zu Löschen. 1300 wird erstmals die Stadt erwähnt, zwölf Jahre später wird aus der hölzernen eine steinerne Brücke über den Main.

Bauernkrieg, Augenausstechen im Leidenhof, keine schönen Zeiten im ausgehenden Mittelalter. Mit jedem Schritt nach links rutscht der Betrachter der Collage ein Stück weiter in die Gegenwart. Baltasar Neumann zeigt auf die Kreuzkapelle; Napoleon und Kaiser Max von Bayern hinterlassen ihre Spuren. Die industrielle Revolution verändert wieder einmal das Stadtbild, das Luitpold-Bad entsteht und die Stadt erweitert sich nach Osten, die Siedlung wird gebaut.

Adolf Hilter und seine braunen Horden verändern wieder die Stadt. Eine neue Brücke wird gebaut, die Synagoge brennt und schließlich die ganze Stadt im Bombenhagel. Und doch geht es wieder aufwärts: Die Amerikaner kommen, Aufbau Kitzingen, wie wir es kennen.

Viel Material, das Klaus Christof zu eine zeitenumspannenden Collage zusammengetragen und kombiniert hat. Wer Christof kennt, der weiß, was für eine akribische Arbeit hinter dem detailreichen Wandbild steckt. Wer stadtgeschichtlich nicht ganz so bewandert ist, tut sich naturgemäß ein wenig schwer, die einzelnen Feinheiten in den geschätzt 200 Szenen zu entschlüsseln. Hilfreich ist dabei der Katalog zur Ausstellung Blickwinkel, der im ersten Teil einen Abriss zur Geschichte der Stadt bietet und viele Hinweise auf die Hintergründe der Collage enthält.

Stichwort

Collage Collage ist eine Technik der Bildenden Kunst, bei der durch Aufkleben (französisch coller = kleben) verschiedener Elemente ein neues Ganzes geschaffen wird. Eine künstlerische Collage kann beispielsweise Zeitungsausschnitte, Bänder, Stücke farbigen Papiers, Fotografien enthalten, die auf einen festen Untergrund oder Leinwand geleimt wurden (aus Wikipedia).

Von unserem Mitarbeiter robert haass

Am Fluss der Zeit

K.D. Christof

Besucher können ihr liebstes Bild wählen

Die Blickwinkel-Ausstellung in der Kitzinger Rathaushalle wird zum Publikumserfolg. Bis Dienstagabend wollten die Schau über 5500 Besucher sehen. Dieser Erfolg zeigt laut Klaus Christof vom Kulturverein Pam, „dass man auch mit Kultur, Engagement und kreativen Ideen einen wesentlichen Beitrag zur Bewusstseinsbildung und zur Identifikation der Kitzinger Bürger mit ihrer Heimatstadt leisten kann“.

Wie berichtet, ist die Rathaushalle bis zum 2. September, täglich von 10 bis 18 Uhr, ein Schau-Platz für neue Perspektiven auf die Stadt. 34 zeitgenössische Künstler aus dem In- und Ausland zeigen ihre „künstlerischen Reflexionen eines Stadtbildes“ – so auch der Untertitel der 14. Sommer-Ausstellung des Kulturvereins.

Am Montag, 20. August, wird die Jury tagen, um drei Preisträger der Ausstellung zu ermitteln. Die Besucher haben noch bis 21. August Gelegenheit, für ihr bevorzugtes Kunstwerk eine Stimmkarte auszufüllen, um so den Publikumspreis zu bestimmen. Die Gewinner des Jury- und Publikums-Preises werden am Freitag, 24. August, um 10 Uhr in der Rathaushalle vorgestellt.

Vier Ansichten

J. Niklaus

Rekord: Über 10 000 Besucher bei der Blickwinkel-Schau

(gina) Es war eine entspannte Runde, die am Freitagvormittag umringt von Bilder in der Kitzinger Rathaushalle stand. Oberbürgermeister Bernd Moser und die beiden Ausstellungsmacher Renate Haass und Klaus Christof (Kulturverein Pam) waren sich einig. Die „Blickwinkel“-Ausstellung ist ein großer Wurf geworden. „8000 und ein paar Zerquetschte“ (Christof) haben die Schau bis Donnerstagabend gesehen.

Die Rathaushalle ist bis zum 2. September, täglich von 10 bis 18 Uhr, ein Schau-Platz für neue Perspektiven auf die Stadt. 34 zeitgenössische Maler zeigen ihre „künstlerischen Reflexionen eines Stadtbildes“. Ihre Kunst hat die Menschen dazu animiert, sich die Stadt neu anzuschauen. Das routinierte Auge übersieht viel. Weil es sich am Alltäglichen orientiert. Die Kunst macht's möglich: Das Kleinteilige wird bemerkenswert.

Auch eine fünfköpfige Jury hat anders hingeschaut. Birgit Speckle (Bezirk Unterfranken), Dieter Bilz (Stadtheimatpfleger Kitzingen), Frank Freihofer (Fotograf), Rudi Krauß und Wolfgang Oechsner (MAIN-POST) haben den mit 2000 Euro dotierten ersten Preis dem Bild „Zeitgeist“ von Sigurd Kuschnerus gegeben. 5000 Euro hat der Bezirk Unterfranken für die Preise zur Verfügung gestellt. Platz zwei (1200 Euro) ging an „Paspelbogen“ von Bernd Schwering, Platz drei (800 Euro) an „The Saffron Series“ von Abdulqadir al Rais.

Weil es eine demokratische Schau ist, hat auch das Publikum prämiert: Die meisten Besucher (12,5 Prozent) mochten die „Nächtliche Gasse“ von Edmond Kies am liebsten, und bescherten dem Maler l000 Euro.

Mehr zu den Publikumspreisen lesen Sie in unserer Montagsausgabe.

Nächtliche Gasse

E. Kies

Publikum mag die "Nächtliche Gasse"

(gina) Beim Wettbewerb zur Blickwinkel-Ausstellung in der Kitzinger Rathaushalle waren sich Publikum und Jury nicht einig. Wie berichtet, sind die Preisgelder (5000 Euro vom Bezirk Unterfranken) am Freitag verteilt worden. Das Publikum sah unter den Bildern der 34 zeitgenössischen Maler, die ihre „künstlerischen Reflexionen des Kitzinger Stadtbildes“ zeigen, die „Nächtliche Gasse“ von Edmont Kies (Bruckmühl) ganz vorne. Das Preisgeld für den Künstler: 1000 Euro.

Die Jury (Birgit Speckle, Bezirk Unterfranken; Dieter Bilz, Stadtheimatpfleger Kitzingen; Frank Freihofer, Fotograf; Rudi Krauß; Wolfgang Oechsner, (MAIN-POST) hat den mit 2000 Euro dotierten ersten Preis dem Bild „Zeitgeist“ von Sigurd Kuschnerus gegeben. Er zeige keine Postkarten-Idylle, sondern reales Leben. Kuschnerus habe mit viel Ironie, Witz, Satire und Mut gearbeitet.

Die Entscheidung beim Publikumspreis war eng. 12,5 Prozent sahen die Nächtliche Gasse vorn, 10,5 Prozent die „Vier Ansichten“ von Jo Niklaus. Der Zeitgeist von Sigurd Kuschnerus landete bei den Teilnehmern der Besucher-Abstimmung auf Platz drei mit 9,1 Prozent.

Unter den Teilnehmern beim Publikumspreis sind zehn Blickwinkel-Kataloge ausgelost worden. Sie können bei der Ausstellungs-Aufsicht bis zum 2. September abgeholt werden.

Gewonnen haben: G. Mann, Mainbernheim; U. Jäger, Kitzingen; K. Dees, Kitzingen; B. Dierich, Würzburg; G. Goller, Mainstockheim; U. Plank, Nürnberg; D. Göpfert, Kitzingen; E. Zeiss, Kitzingen, A. Naser-Wagner, Kitzingen und E. und F. Schreine, Kitzingen.

Narrenbild

M. Maschka

(gina) Der Kitzinger Kulturverein Pam hat mit seiner Sommer-Ausstellung Blickwinkel ein Ausrufezeichen gesetzt. 10 333 Besucher haben sich die Schau in der Rathaushalle angesehen. ,,Das habe ich nicht vermutet", sagte Klaus Christof. Am Wochenende wurde es noch einmal schön eng. Weit über 500 Besucher nutzen die letzte Chance, die Bilder der 34 Maler aus dem In- und Ausland und den Dokumentarfilm zu sehen.

Dem Kulturverein war es darum gegangen, ,,das Bewusstsein für unsere Stadt zu schärfen". Für Christof war die Ausstellung eine Summe aus Erfahrungen, großem Einsatz und Gespür dafür, was das Publikum interessiert. Sie war aus der Diskussion um die Stadtentwicklung nach dem Abzug der Amerikaner entstanden. Die Kunst in der Rathaushalle sollte dazu und zur Stärkung der Innenstadt einen Beitrag leisten und die Menschen zur Diskussion anregen. Das ist gelungen.

C. Fraenkel

Titel: Zeugen der Vergangenheit

Cornelius Fraenkel
Titel: Zeugen der Vergangenheit
Sie sind verstrickt in das Netz der Geschichte. Fraenkel deutet in seiner assoziativen Vorgehensweise Themen wie den Synagogenbrand, die Vertreibung, Kitzingens Rolle als Garnisonsstadt oder den Eingriff des Asphalts ins Stadtbild.
Repro: DIE KITZINGER

Zurück