Presse
Dali-Ausstellung in Wolnzach
Dalis Buch der Apokalypse in Wolnzach? / Vernissage wurde zum internationalen Festakt. Erasmy: „Ich bin ein Wolnzacher“
Wolnzach (ted) Ein in der Kulturwelt unschätzbarer Wert ist seit Freitag im Veranstaltungsraum des Deutschen Hopfenmuseums zu sehen: das Buch der Apokalypse, dessen reich verzierter Deckel von Dalí 1958 entworfen wurde. Es wird umgeben von einer Plexiglashaube, die Dalí als Fortbewegungsmittel der Zukunft entwickelte, genannt „Ovocipède“. In Vitrinen ruhen die Trümmer einer Singer-Nähmaschine, die Dalí in Paris zusammen mit 558 Nägeln von einer Walze zermalmen ließ, um als Abdruck auf einer Kupferplatte seine Zeichnung der Apokalypse zu zieren. Die Nägel finden sich auch im Buchdeckel zusammen mit Gabeln und Seeigeln. Nach diesem Entwurf Dalís wurde dann das eigentliche Buch der Apokalypse gefertigt mit echtem Gold und Edelsteinen, das viele Jahre um die Welt ging und schon 1965 über 4 Millionen Besucher verzeichnete.
Im Buch, einem Metallschrein, wurden die 150 Blätter mit handgeschriebenem Text der Offenbarung des Johannes gelegt und 21 Grafiken von 7 weltbekannten Künstlern, ferner Rezensionen mit handgeschriebenen Texten, wie z.B. von Ernst Jünger, die wieder illustriert wurden, wie von Paul Fuchs. Diese Inhalte zeigt die Wolnzacher Ausstellung in Form von Reproduktionen. Es gibt also auch viel zu lesen, allerdings sind bis auf Ernst Jünger alle Texte in Französisch verfasst.
Die Stadt Le Mont-Dore im Zentralmassiv, Nähe Clermont-Ferrand, erhielt die Dalí-Originale – u.a. auch den Spazierstock Dalis – vom Verleger des Buchs, Joseph Forêt, der dort geboren war. Die Auflage war, dafür ein Museum mit seinem Namen einzurichten, das allerdings nie richtig eröffnet wurde. Erst in zwei Jahren will Le Mont-Dore es in einem neuen Konzept groß herausbringen. So wird das Buch und das Begleitmaterial nur jeweils zur Ausstellung SAFE im Februar in den Thermen gezeigt – und zum ersten Mal außerhalb Le Mont-Dores jetzt in Wolnzach. Die Dauer ist sehr kurz: noch bis dieses Wochenende und von Mittwoch, 18.10. bis 22.10. (Tag der offenen Türen).
In Wolnzach reihen sich 21 Gemälde der Erben Dalís um das Buch, als symbolische neue Zugabe. Alle drücken das Motiv „Apokalypse“ aus, wobei sieben Werke als eigens für Wolnzach gemalte Hauptmotive an der Westseite hängen. So findet sich dort auch der Titel „Apokalypse Wolnzach“ des Pariser Malers Yves Thomas. Diese Werke wurden im Katalog zur Ausstellung abgebildet, den das Medienhaus Kastner verlegte und der für die kostenlose Leihe als Ausgleich in Le Mont-Dore sehr geschätzt ist.
Zur Ausstellungseröffnung am Freitag, 6. Oktober, reiste aus Le Mont-Dore der 1. Bürgermeister Jean-Francois Dubourg an und war fasziniert von der Ausstellung, dem Gebäude, den vielen hundert Gästen, dem großen Buffet, das heuer nicht mehr leer gegessen werden konnte, dank des Einsatzes einiger lokaler Wirte und vieler Wurst-Käse-Spezialitäten aus Le Mont-Dore, die WA-Chef Eduard Kastner am 3. Oktober in Le Mont-Dore einkaufte bei der Abholung der Dalí-Exponate. Auch der Wein kam von dort. Impressionen der Vernissage finden sich in der letzten „Wolnzacher Woche“ (10.10.2006), im Internet unter www.wolnzacher-anzeiger.de
Die Unterbringung der Künstler im „Hotel Hallertau“ und der Pension „Hopfengold“ mit Bewirtung sponserte die Firma ARS Altmann AG, während der aufwendige Hin- und Rücktransport dieses Jahr der Wolnzacher Anzeiger/KASTNER AG vornimmt. Bei der 1. Ausstellung der „Erben Dalís“ 2005 war es umgekehrt (Dalís Waggon holte die ARS Altmann AG aus Perpignan und brachte ihn dort mit dem Tieflader wieder zurück).
Zentrale Figur des 2. Auftritts der „Erben Dalís“ in Wolnzach war wieder der Dalí-Forscher Roger M. Erasmy, der vor der Vernissage im Bräustüberl einen Vortrag über Dalí und die Bedeutung der Apokalypse in seinem Schaffen hielt (Eintritt war frei). Er deutete die Visionen Dalís über das 21. Jahrhundert und Erasmy verkündete nach ihnen die Präsidentin Frankreichs, die 2008 gewählt wird: Ségolène Royal (mehr unter www.wolnzacher.anzeiger.de).
Für „Dalís Erben“ ist die 2. Ausstellung in Wolnzach ein weiterer großer Meilenstein, weshalb Erasmy in seiner Eröffnungsrede mit dem Kennedy-Klassiker endete „Ich bin ein Wolnzacher“. Kurator Angerer der Ältere stellte die Künstler vor, die ihrerseits in ihrer Muttersprache ein Statement zur Apokalypse oder ihrem Werk abgaben, ergänzt um Englisch, Ungarisch und Rumänisch gemäß den überraschend vielen ausländischen Gästen. Ein großer Tag der Völkerverständigung über die Kunst, die Kulturreferent Alois Siegmund und Wirtschaftsreferent Matthias Boeck in Vertretung des 1. Bürgermeisters würdigten und pflegten. So will Le Mont-Dore 2006 ein Bierfest organisieren und hofft auf Blasmusik aus Wolnzach.
Auch der sympathische Bürgermeister Dubourg, vom Beruf Zahnarzt und in der Politik ein realer Visionär, fühlte sich in Wolnzach sehr wohl und lud alle Wolnzacher nach Le Mont-Dore ein, einem Ski- und Sommersport-Eldorado. Eine neue Städtefreundschaft ist entstanden. Übrigens: Am selben Abend eröffnete in Breslau eine Ausstellung zum Buch der Apokalypse. Vom Inhalt existieren weitere sieben Kopien. Eine davon besitzt der deutsche Sammler Rebmann, der sie Breslau zur Verfügung stellte. In Warschau wurde diese Ausstellung im Nationalmuseum 2006 schon gezeigt und hatte 144 000 Besucher.
